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Ein Betroffener litt an dem genetisch bedingten Warkany-Syndrom 2 mit Störungen der Impulskontrolle und der sozialen Interaktionen. Er wurde wegen Mords, schwerem sexuellen Missbrauchs von Kindern und Vergewaltigung einer Minderjährigen zu einer Jugendstrafe verurteilt. Im August 2018 wurde er nach einjähriger Therapie und vollständiger Verbüßung der Strafe aus der Haft entlassen. Kurz darauf hatte die Kreispolizeibehörde beim Amtsgericht die Unterbringung des Betroffenen nach den Vorschriften des baden württembergischen Gesetzes über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten beantragt.

Der Bundesgerichtshof entschied, dass die öffentlich-rechtliche Unterbringung zur Verhinderung einer Fremdgefährdung neben einer Krankheit oder Behinderung aufgrund einer psychischen Störung auch eine dadurch bedingte, nur durch die Unterbringung des Betroffenen vermeidbare erhebliche gegenwärtige Gefahrenlage voraussetzt. Eine solche Gefahrenlage ist gegenwärtig, wenn ein schadenstiftendes Ereignis unmittelbar bevorsteht oder sein Eintritt jederzeit zu erwarten ist. Auch bei einer Gefahr für höchstrangige Rechtsgüter wie Leben und Gesundheit Dritter bedarf es zumindest einer hohen Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Gefahr sich verwirklicht. Eine klare Kenngröße im Sinne eines Prozentsatzes der Gefahrverwirklichung existiert dagegen nicht. In Fällen einer vom Betroffenen lediglich latent ausgehenden Gefahr überwiegt sein Freiheitsgrundrecht gegenüber den Schutzinteressen der Allgemeinheit. Im entschiedenen Fall wurde die Unterbringung des Betroffenen daher abgelehnt.