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Voraussetzung für eine tatsächliche Verständigung ist das Vorliegen eines Sachverhalts, der nur unter erschwerten Umständen ermittelt werden kann. Das ist z. B. der Fall, wenn sich einzelne Sachverhalte nur mit einem nicht mehr vertretbaren Arbeits- oder Zeitaufwand ermitteln lassen. Eine tatsächliche Verständigung bietet sich vor allem im Rahmen von Schätzungen an.

Der Inhalt der tatsächlichen Verständigung ist in vorgeschriebener Form unter Darstellung der Sachlage schriftlich festzuhalten und von den Beteiligten zu unterschreiben. Ist eine tatsächliche Verständigung wirksam zustande gekommen, bindet dies Steuerpflichtige, Finanzverwaltung und auch Finanzgerichte.

Das Finanzgericht Münster hat entschieden, dass das Finanzamt nach einem wirksamen Abschluss einer tatsächlichen Verständigung darüber hinausgehende Umsatzzuschätzungen nicht vornehmen darf.

Im Urteilsfall waren wegen erheblicher Mängel in der Buch- und Kassenführung vom Betriebsprüfer Umsatzzuschätzungen vorgenommen worden. Darüber wurde eine tatsächliche Verständigung geschlossen. Danach stellte der Prüfer nach Auswertung von Bankunterlagen fest, dass noch weitere Umsätze vom Unternehmer nicht erfasst wurden. Wegen der Bindungswirkung der tatsächlichen Verständigung ließ das Gericht die Hinzuschätzung dieser weiteren Umsätze nicht zu.